Das Hofbrauhaus Wolters soll zum Jahresende schließen. Hinter der Brauerei steht die Volksbank BRAWO, die selbst mit einem enormen Wertberichtigungsbedarf kämpft. Ein Blick auf die Verbindungen zeigt, Wolters ist nur ein Teil eines über Jahre stark gewachsenen Geflechts aus Immobilien, Unternehmensbeteiligungen und weiteren Geschäftsfeldern, das die Bank nun wieder verkleinern will.

Braunschweig. Rund 90 Beschäftigte verlieren voraussichtlich ihren Arbeitsplatz, der Produktionsstandort des Hofbrauhauses Wolters soll zum 31. Dezember 2026 geschlossen werden. Die Suche nach einem Investor für den Standort blieb ohne Erfolg.

Doch hinter dem Ende der traditionsreichen Brauerei steckt noch eine zweite Geschichte. Sie führt direkt zur Volksbank BRAWO. Die Bank ist seit 2021 alleinige Gesellschafterin von Wolters und befindet sich inzwischen selbst in einer tiefgreifenden Restrukturierung.

2020 sollte die Volksbank Wolters eine Zukunft ermöglichen

Die Verbindung begann mit großen Erwartungen. Im Jahr 2020 stieg die Volksbank zunächst mit 50 Prozent bei Wolters ein. In ihrem damaligen Konzernbericht bezeichnete die BRAWO sich als Ankerinvestor. Sie stellte der Brauerei zudem Geld zur Verfügung, damit diese weiter in Maschinen und Produktion investieren konnte.

2021 übernahm die Volksbank schließlich sämtliche Anteile an Wolters. Später folgten weitere Investitionen, unter anderem in eine neue Abfüllanlage und eine Anlage zur Entalkoholisierung.

Ende 2022 teilte die BRAWO zudem mit, bei Wolters eine Kapitalerhöhung um zwei Millionen Euro vorgenommen zu haben.

Noch im Jahresbericht 2024 stellte die Unternehmensgruppe Wolters als strategische Beteiligung dar. Gleichzeitig war dort bereits vom rückläufigen Biermarkt und von Überkapazitäten in der Branche die Rede.

Warum die Volksbank selbst in Schwierigkeiten geraten ist

Die Probleme der BRAWO entstanden nach eigenen Angaben vor allem außerhalb des klassischen Bankgeschäfts.

Für das Geschäftsjahr 2025 musste die Bank einen außergewöhnlich hohen Wertberichtigungsbedarf feststellen. Ohne Gegenmaßnahmen hätte sich nach den vorgenommenen Abwertungen ein vorläufiges Ergebnis von minus 608,1 Millionen Euro ergeben.

Die BRAWO nennt dafür negative Bewertungseffekte bei Krediten, Wertpapieren, Beteiligungen und Immobilien.

Besonders bemerkenswert ist die Verteilung. Nach Angaben der Bank entfallen 96 Prozent der Wertberichtigungen auf Geschäftsfelder außerhalb des klassischen Bankgeschäfts. Rund vier Fünftel des gesamten Wertberichtigungsbedarfs betreffen allein das Immobiliengeschäft.

Immobilien wurden zum größten Problem

Die BRAWO hatte über Jahre weit über das traditionelle Geschäft einer regionalen Volksbank hinaus investiert. Dazu gehörten Immobilienprojekte, Unternehmensbeteiligungen und weitere Geschäftsfelder.

Mit veränderten Marktbedingungen, höheren Zinsen, gestiegenen Baukosten und neuen Bewertungen gerieten Teile dieses Geschäftsmodells unter Druck.

Die Konsequenz ist ein grundlegender Kurswechsel. Die Volksbank will sich künftig wieder stärker auf ihr klassisches Bankgeschäft konzentrieren. Gleichzeitig sollen Beteiligungen und Immobilienbestände reduziert werden.

Auch das Wolters Gelände gehört der Volksbank

Hier wird die Verbindung zwischen Wolters und der Krise der BRAWO besonders interessant.

Nach Angaben der eigenen Immobiliengesellschaft BRAWO Real Estate befindet sich das Brauereigrundstück an der Wolfenbütteler Straße 39 im Eigentum der Volksbank BRAWO eG.

Für den sogenannten Wolters Hof weist BRAWO Real Estate eine Mietfläche von 25.383 Quadratmetern aus. Als Nutzungsarten werden Produktion, Büro und Logistik genannt. Im Bestand der BRAWO befindet sich die Immobilie demnach seit Juli 2020.

Damit stellt sich nach der angekündigten Einstellung der Bierproduktion eine weitere Frage: Was geschieht künftig mit dem mehr als 25.000 Quadratmeter umfassenden Standort?

Ob das Gelände verkauft werden soll, ist bislang nicht bekannt. Allein aus der Restrukturierung der Volksbank lässt sich ein Verkauf des Wolters Hofs nicht ableiten.

Wolters ist nicht die einzige Beteiligung, bei der sich etwas verändert

Die BRAWO hatte in den vergangenen Jahren ein weit verzweigtes Unternehmensgeflecht aufgebaut. Inzwischen geht die Entwicklung in die entgegengesetzte Richtung.

Die Bank will ihr Beteiligungsportfolio verkleinern und sich stärker auf ihr eigentliches Kerngeschäft konzentrieren.

Zu den Veränderungen gehört beispielsweise der Verkauf der Beteiligungen an Fitnessstudios. Auch im Bereich der erneuerbaren Energien zieht sich die Gruppe aus Aktivitäten zurück.

Eine weitere Beteiligung mit Problemen war das Finanzunternehmen JITpay Financial, das die Einstellung seines Geschäftsbetriebs angekündigt hatte.

Diese Unternehmen und Geschäftsfelder haben unterschiedliche Entwicklungen und Ursachen. Sie dürfen deshalb nicht pauschal als Krisenfälle gleichgesetzt werden. Sie zeigen jedoch, wie breit die Volksbank außerhalb ihres klassischen Bankgeschäfts investiert hatte.

Die BRAWO räumt Probleme mit dem bisherigen Geschäftsmodell ein

Bemerkenswert ist, wie deutlich die Volksbank inzwischen selbst über ihre bisherige Strategie spricht.

Im Bereich der Unternehmensbeteiligungen hätten zahlreiche Beteiligungen nicht die erwarteten Erträge geliefert. Gleichzeitig seien Beteiligungen teilweise mit neuen Kreditlinien unterstützt worden.

Die Bank spricht zudem von einer erheblichen Komplexität, die durch die Vielzahl unterschiedlicher Branchen und Märkte entstanden sei.

Die Konsequenz daraus ist ein Strategiewechsel. Weniger Beteiligungen und Immobilien, dafür wieder ein stärkerer Schwerpunkt auf dem klassischen Bankgeschäft in der Region.

Für Wolters kam dieser Kurswechsel zu einem entscheidenden Zeitpunkt

Genau hier treffen die Entwicklungen von Wolters und der Volksbank aufeinander.

Wolters litt unabhängig von der Situation der BRAWO unter einem schwierigen Biermarkt, rückläufigem Absatz und hohen Kosten. Die Probleme der Brauerei allein auf die Volksbank zurückzuführen, wäre deshalb nicht gerechtfertigt.

Gleichzeitig hatte die BRAWO Wolters über Jahre finanziell unterstützt. Als erneut frisches Geld benötigt wurde, stellte die Eigentümerin keine weitere Kreditlinie zur Verfügung.

Die Begründung lautete, eine weitere Finanzierung hätte die strukturellen Probleme der Brauerei nicht gelöst.

Wolters beantragte schließlich Insolvenz in Eigenverwaltung. Die Suche nach einem Investor für den Produktionsstandort blieb erfolglos. Nun soll die Produktion zum Jahresende eingestellt werden.

Auch die Volksbank selbst braucht Unterstützung

Die Dimension der Probleme bei der BRAWO zeigt sich an den Maßnahmen der genossenschaftlichen Sicherungseinrichtung.

Nach Angaben der Bank wurden Garantien gewährt, mit denen bestehende Risiken abgeschirmt werden. Zusätzlich wird das Eigenkapital durch die Zeichnung von Geschäftsguthaben gestärkt.

Dadurch soll sichergestellt werden, dass die Volksbank während der Restrukturierung die aufsichtsrechtlichen Kapitalanforderungen erfüllt und operativ handlungsfähig bleibt.

Die BRAWO betont zugleich, dass die Einlagen der Kundinnen und Kunden sowie die Geschäftsguthaben sicher seien.

Was passiert mit dem Wolters Hof?

Nach dem angekündigten Ende der Produktion richtet sich der Blick deshalb nicht nur auf die Zukunft der Biermarke Wolters.

Auch die Zukunft des Grundstücks dürfte interessant werden. Die Volksbank besitzt mit dem Wolters Hof eine große Gewerbeimmobilie in Braunschweig, während sie gleichzeitig ihr Immobilienportfolio reduzieren möchte.

Ob das Gelände verkauft, anderweitig genutzt oder innerhalb der Unternehmensgruppe neu entwickelt werden soll, ist bislang offen.

Damit könnte zum Jahreswechsel zwar die Bierproduktion an der Wolfenbütteler Straße enden, die Geschichte des Wolters Geländes dürfte damit jedoch noch lange nicht abgeschlossen sein.