
Am Sonntag, 27. September 2026, entscheidet sich, wer künftig an der Spitze des Landkreises Peine steht. In der Stichwahl treffen Julia Semper (SPD) und Carsten Lauenstein (CDU) aufeinander. Nach dem deutlichen Abstand im ersten Wahlgang stellt sich vor allem eine Frage: Wie verteilen sich die Stimmen der ausgeschiedenen Kandidatinnen und Kandidaten und welche Rolle spielen Wahlempfehlungen? Eulenstadt.info hat die Ausgangslage auf Grundlage der amtlichen Informationen und aktueller Berichterstattung analysiert.
Das Ergebnis des ersten Wahlgangs
Julia Semper ging mit deutlichem Vorsprung aus dem ersten Wahlgang am 13. September hervor. Nach dem vorläufigen Endergebnis entfielen 42,1 Prozent der gültigen Stimmen auf die SPD Kandidatin. Carsten Lauenstein erreichte für die CDU 21,6 Prozent. Dahinter folgten Angela Rudzka (AfD) mit 17,8 Prozent und Stefanie Weigand (Grüne) mit 10,9 Prozent. Matthias Laue erhielt 2,5 Prozent, Marcus Seelis (FDP) 2,1 Prozent, Martin Schampera (Volt) 1,7 Prozent und Christian Meyer (dieBasis) 1,3 Prozent.
Die Wahlbeteiligung lag bei 66,5 Prozent. Insgesamt wurden 71.072 gültige Stimmen abgegeben. Damit entfielen 36,3 Prozent der Stimmen auf Bewerberinnen und Bewerber, die bei der Stichwahl nicht mehr antreten. Genau diese Stimmen machen die Stichwahl besonders interessant. Denn wie sich diese Wählerinnen und Wähler am Sonntag entscheiden, ist offen.
Warum gibt es überhaupt eine Stichwahl?
Bei der Direktwahl am 13. September hätte ein Bewerber mehr als die Hälfte der gültigen Stimmen auf sich vereinigen müssen. Das gelang keinem der acht Kandidaten. Deshalb treten nun die beiden Erstplatzierten Julia Semper und Carsten Lauenstein gegeneinander an. Die Stichwahl findet am Sonntag, 27. September, von 8 bis 18 Uhr statt.
Muss man bei der Stichwahl mehr als 50 Prozent erreichen?
Hier gibt es einen wichtigen Unterschied zum ersten Wahlgang. Bei der Stichwahl ist keine absolute Mehrheit als zusätzliche Hürde erforderlich. Gewählt ist, wer mehr gültige Stimmen erhält als der Gegenkandidat. Bei zwei Bewerbern wird der Gewinner im Normalfall rechnerisch auch auf mehr als 50 Prozent kommen. Entscheidend ist rechtlich jedoch die einfache Mehrheit.
Kurz gesagt: Wer am Sonntag mehr gültige Stimmen bekommt, gewinnt die Stichwahl.
Grüne unterstützen Julia Semper
Besonders interessant sind vor der Stichwahl die Entscheidungen der ausgeschiedenen Bewerber und Parteien. Für die Grünen ist die Richtung öffentlich bekannt. Der Kreisverband Bündnis 90/Die Grünen Peine hat sich für Julia Semper ausgesprochen. Damit erhält Semper eine offizielle Unterstützung aus dem Lager einer Mitbewerberin, die im ersten Wahlgang einen beachtlichen Stimmenanteil erreicht hatte. Eine Wahlempfehlung einer Partei bedeutet allerdings keineswegs, dass deren bisherige Wähler geschlossen entsprechend abstimmen. Jeder Wähler entscheidet in der Stichwahl neu.
Auch bei weiteren ausgeschiedenen Bewerbern gibt es inzwischen Wahlempfehlungen. Die Braunschweiger Zeitung berichtet, dass von den sechs ausgeschiedenen Kandidaten drei einen der beiden Stichwahlbewerber unterstützen, zwei den jeweils anderen und einer keine entsprechende Empfehlung ausspricht. Dabei sollte zwischen einer offiziellen Erklärung einer Partei, einer persönlichen Wahlempfehlung eines ehemaligen Kandidaten und dem tatsächlichen Verhalten seiner Wähler unterschieden werden.
Die Stimmen der ausgeschiedenen Kandidaten werden zum entscheidenden Faktor
Ein einfacher Blick auf die Ergebnisse könnte dazu verleiten, die Stimmen der ausgeschiedenen Kandidaten einem der beiden verbliebenen Bewerber zuzuschlagen. Genau das wäre jedoch methodisch falsch. Ein Wähler von Stefanie Weigand muss nicht automatisch Julia Semper wählen, nur weil die Grünen Semper unterstützen. Ebenso lässt sich aus einer politischen Nähe eines anderen Bewerbers nicht ableiten, dass dessen Wähler geschlossen zu Lauenstein wechseln.
Hinzu kommt, dass manche Menschen, die am 13. September gewählt haben, der Stichwahl fernbleiben könnten. Gleichzeitig könnten Bürger zur Wahl gehen, die beim ersten Durchgang nicht abgestimmt haben. Die Wahlbeteiligung kann deshalb mindestens genauso entscheidend sein wie die Frage, zu welchem Kandidaten die bisherigen Stimmen der ausgeschiedenen Bewerber wandern.
KI Analyse: Welche Wege zur Mehrheit gibt es?
Eulenstadt.info hatte bereits vor dem ersten Wahlgang gemeinsam mit ChatGPT eine KI Analyse zur Landratswahl veröffentlicht. Dabei wurde auch eine mögliche Stichwahl zwischen Julia Semper und Carsten Lauenstein betrachtet. Die tatsächlichen Prozentwerte wichen teilweise deutlich von der damaligen Modellrechnung ab. Gerade deshalb verzichten wir bei der Stichwahl auf eine künstlich genaue Vorhersage wie „55 zu 45 Prozent“. Eine solche Zahl würde eine Genauigkeit suggerieren, für die es derzeit keine repräsentative Umfrage im Landkreis gibt. Stattdessen betrachten wir die unterschiedlichen rechnerischen Wege zur Mehrheit.
Szenario Semper
Semper geht mit einem deutlich größeren Stimmenfundament aus dem ersten Wahlgang in die Stichwahl. Hinzu kommt die offizielle Unterstützung der Grünen. Rechnerisch benötigt sie deshalb einen wesentlich kleineren Anteil der Stimmen, die im ersten Wahlgang an andere Kandidaten gingen. Ob die bisherigen Wähler der ausgeschiedenen Bewerber tatsächlich zu ihr wechseln, lässt sich daraus jedoch nicht ableiten.
Szenario Lauenstein
Für Lauenstein ist die Ausgangslage eine andere. Er müsste gegenüber dem ersten Wahlgang deutlich zusätzliche Wähler gewinnen und gleichzeitig sein bisheriges Wählerlager erneut mobilisieren.
Besonders relevant sind für die gesamte Stichwahl die größeren Stimmenblöcke der ausgeschiedenen Kandidaten. Ob und in welchem Umfang deren Wähler zu Lauenstein, zu Semper oder überhaupt nicht mehr zur Wahl gehen, ist offen.
Der unterschätzte Faktor: Wahlbeteiligung
Neben den Wechselwählern könnte die Mobilisierung eine entscheidende Rolle spielen. Eine Stichwahl muss nicht dieselbe Wahlbeteiligung hervorbringen wie der erste Wahlgang. Bleibt ein größerer Teil der bisherigen Wähler eines Kandidaten zu Hause, während der andere sein Lager besonders gut mobilisiert, können sich die Kräfteverhältnisse verändern. Deshalb reicht es nicht aus, lediglich die Stimmen des ersten Wahlgangs mathematisch neu zu verteilen.
Was die Zahlen aussagen und was nicht
Das Ergebnis des ersten Wahlgangs liefert eine klare Ausgangsbasis. Ebenso belegt ist die Unterstützung der Peiner Grünen für Semper. Nicht bekannt ist dagegen, wie die Wählerinnen und Wähler der ausgeschiedenen Kandidaten am Sonntag abstimmen werden. Genau darin liegt die entscheidende Unsicherheit jeder Berechnung. Das Ergebnis des ersten Wahlgangs ist deshalb eine wichtige Datengrundlage, aber keine Umfrage für die Stichwahl.
Fazit: Am Sonntag werden die Stimmen neu gezählt
Semper und Lauenstein gehen mit unterschiedlichen Ausgangspositionen in die Stichwahl. Entscheidend wird sein, ob beide ihre bisherigen Wähler erneut mobilisieren können und wie sich die Wähler der ausgeschiedenen Kandidaten entscheiden. Parteien und ehemalige Bewerber können Wahlempfehlungen aussprechen. Wie die Menschen tatsächlich abstimmen, lässt sich daraus nicht automatisch ableiten. Und anders als beim ersten Wahlgang gibt es keine zusätzliche absolute Mehrheitshürde.
Bei der Stichwahl entscheidet die einfache Mehrheit. Wer am 27. September mehr gültige Stimmen erhält, gewinnt die Landratswahl im Landkreis Peine.
Quellen und Transparenz
Grundlage dieses Beitrags sind die offiziellen Informationen des Landkreises Peine zur Direktwahl und Stichwahl, die veröffentlichten Ergebnisse des ersten Wahlgangs sowie aktuelle regionale Berichterstattung. Die dargestellte KI Analyse ist keine Wahlumfrage und keine Vorhersage des Wahlergebnisses. Sie untersucht anhand der bekannten Ergebnisse unterschiedliche rechnerische Szenarien. Daraus lässt sich nicht ableiten, wie einzelne Wählerinnen und Wähler am 27. September tatsächlich abstimmen werden.