
Die geplante Milliardeninvestition wird in ihrer bisherigen Form nicht weiterverfolgt. McCain ist inzwischen jedoch Eigentümer des Grundstücks am Mittellandkanal und will es offenbar nicht verkaufen. Noch im März hatte das Unternehmen an seinem langfristigen Ziel einer Produktionsstätte in Mehrum festgehalten. Damit rückt eine Frage in den Mittelpunkt: Was bleibt McCain von der geplanten Ansiedlung und was ist über den Grundstückskauf bekannt?
Mehrum. Bis zu eine Milliarde Euro wollte McCain in Mehrum investieren, bis zu 650 Arbeitsplätze sollten entstehen. Nun hat der kanadische Konzern seine bisherigen Pläne für die große Produktionsstätte auf Eis gelegt.
Nach einer Überprüfung der Wettbewerbsfähigkeit und wirtschaftlichen Tragfähigkeit habe man entschieden, die geplante Investition in Mehrum in ihrer derzeitigen Form zum jetzigen Zeitpunkt nicht weiterzuverfolgen. Als Gründe nennt McCain unter anderem deutlich gestiegene Projektkosten infolge der Inflation, Überkapazitäten bei verarbeiteten Kartoffelprodukten und eine schwächere Nachfrage in wichtigen Märkten.
Damit ist die geplante Pommesfabrik vorerst vom Tisch. Das Grundstück, auf dem sie entstehen sollte, allerdings nicht.
McCain gehört das Grundstück
McCain ist inzwischen Eigentümer des Grundstücks am Mittellandkanal in Mehrum. Nach Angaben des NDR will das Unternehmen das Gelände offenbar auch nicht veräußern. Was dort anstelle der bisher geplanten Fabrik entstehen könnte, ist derzeit nicht bekannt.
Das ist auch deshalb interessant, weil der Eigentumsübergang erst während der Entwicklung des Großprojektes erfolgte. Noch im März 2025 wurde berichtet, dass zwar bereits ein Kaufvertrag bestand, McCain zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht Eigentümer des Geländes war.
Inzwischen gehört das Grundstück dem Konzern. Eine entscheidende Zahl ist öffentlich bislang allerdings nicht bekannt: Wie viel hat McCain für das Gelände bezahlt?
Noch im März hielt McCain am Werk fest
Bemerkenswert ist auch die zeitliche Entwicklung. Noch im März 2026 hatte McCain sein langfristiges Engagement in Mehrum bekräftigt. Damals erklärte das Unternehmen, weiterhin das Ziel zu verfolgen, dort eine moderne Produktionsstätte zu errichten.
Gleichzeitig machte McCain bereits damals deutlich, dass noch wesentliche Voraussetzungen erfüllt werden müssten. Dazu zählten nach Angaben des Unternehmens die vollständige Baureife des Standortes, eine geeignete industrielle Infrastruktur zu vertretbaren Kosten und das Vorankommen bei öffentlichen Förderprogrammen.
Nur gut ein halbes Jahr später folgte nun die grundlegende Neubewertung des Projektes.
Aus dem ehemaligen Kohlehafen wird ein Industriestandort
Parallel zur geplanten Ansiedlung wurden die planungsrechtlichen Voraussetzungen für die industrielle Nachnutzung des ehemaligen Kohlehafens geschaffen. Die zuständigen Räte in Peine und Hohenhameln beschäftigten sich mit den notwendigen Bebauungsplänen und machten damit den Weg für eine industrielle Nutzung des Areals frei.
McCain war zu diesem Zeitpunkt längst über eine unverbindliche Standortsuche hinaus. Das Unternehmen hatte bereits Genehmigungsverfahren für seine Produktionsstätte angestoßen und vorbereitende Arbeiten am Standort begonnen.
Noch Anfang September 2026 berichtete der NDR über Aktivitäten von McCain auf dem Gelände. Genannt wurden Investitionen von 4,5 Millionen Euro sowie Pläne für ein Kühllager und ein Rechenzentrum.
Hat das Grundstück dadurch an Wert gewonnen?
Diese Frage lässt sich derzeit nicht seriös beantworten. Die industrielle Nutzbarkeit eines Grundstücks kann für dessen wirtschaftlichen Wert von Bedeutung sein. Daraus lässt sich jedoch nicht automatisch ableiten, dass das konkrete Grundstück von McCain einen bestimmten Wertzuwachs erfahren hat.
Dafür müsste man unter anderem den ursprünglichen Kaufpreis, die genaue erworbene Fläche, den damaligen Zustand des Geländes, mögliche Altlasten, Erschließungskosten und die vertraglichen Bedingungen kennen.
Genau diese Informationen sind öffentlich bislang nicht vollständig bekannt.
Kein Beleg für einen Vorzugspreis
Deshalb gibt es derzeit auch keine belastbare Grundlage für die Behauptung, McCain habe das Gelände besonders günstig oder zu einem Vorzugspreis erhalten.
Ein öffentlich bestätigter Kaufpreis ist bislang nicht bekannt. Ohne diese Zahl und ohne Kenntnis der wesentlichen Vertragsbedingungen lässt sich nicht beurteilen, ob der vereinbarte Preis günstig, marktüblich oder aus anderen Gründen besonders ausgestaltet war.
Interessant wird nach dem Stopp der bisherigen Fabrikpläne allerdings eine weitere Frage: Welche Verpflichtungen sind mit dem Grundstückskauf verbunden?
Was steht im Kaufvertrag?
Bei großen Industrieansiedlungen können Grundstücksverträge beispielsweise Bauverpflichtungen, Investitionspflichten, Rückkaufsrechte oder andere Bedingungen enthalten. Ob der Vertrag für das Gelände in Mehrum solche Regelungen enthält, ist öffentlich bislang nicht bekannt.
Gerade jetzt ist das von Bedeutung. Denn die ursprünglich angekündigte Fabrik mit bis zu 650 Arbeitsplätzen wird vorerst nicht gebaut, McCain bleibt aber Eigentümer des Grundstücks.
Damit stellen sich konkrete Fragen: Wie hoch war der Kaufpreis? Welche Flächen hat McCain genau erworben? Gibt es eine Verpflichtung, innerhalb eines bestimmten Zeitraums zu investieren oder zu bauen? Bestehen Rückkaufsrechte, Nachzahlungspflichten oder andere Regelungen für den Fall, dass die ursprünglich geplante Produktionsstätte nicht entsteht?
Das Werk ist gestoppt, das Grundstück bleibt
Aus den bislang bekannten Informationen lässt sich kein Grundstücksskandal ableiten. Ebenso wenig lässt sich derzeit behaupten, McCain habe durch den Kauf einen besonderen finanziellen Vorteil erhalten.
Fest steht jedoch, dass aus den großen Plänen für Mehrum zunächst keine Pommesfabrik wird. Fest steht ebenfalls, dass McCain inzwischen Eigentümer des Grundstücks ist und dieses offenbar behalten möchte.
Was das Unternehmen dort künftig plant und zu welchen Bedingungen das Gelände ursprünglich erworben wurde, gehört deshalb zu den offenen Fragen nach dem Stopp des Milliardenprojektes.
Die bisherigen Pläne für die Pommesfabrik sind gestoppt, das Grundstück in Mehrum bleibt bei McCain.