
Die Krise der Volksbank BRAWO wirft eine neue Frage auf. Welche Unternehmen aus dem weit verzweigten Beteiligungsnetz der Bank benötigen weiterhin finanzielle Unterstützung? Die BRAWO räumt selbst ein, dass viele Beteiligungen mit neuen Kreditlinien gestützt wurden. Namen nennt sie dabei nicht.
Braunschweig. Wolters soll zum Jahresende schließen, der Bereich Green Energy wird eingestellt und die Beteiligungen an zahlreichen Fitnessstudios werden verkauft. Doch möglicherweise ist damit noch längst nicht das gesamte Ausmaß der Neuordnung innerhalb der BRAWO GROUP sichtbar.
Eine Aussage der Volksbank in ihrer jüngsten Mitteilung zur neuen Geschäftsstrategie lässt aufhorchen. Im Bereich Corporate Investments hätten viele Beteiligungen nicht die erwarteten Erträge gebracht. Statt positiver Erträge seien viele Beteiligungen mit neuen Kreditlinien gestützt worden.
Welche Unternehmen sind gemeint?
Genau diese Frage beantwortet die Volksbank bislang nicht öffentlich.
Auf ihrer eigenen Internetseite nennt die BRAWO aktuell 60 Beteiligungsnehmer. In den Beteiligungsunternehmen arbeiten demnach rund 3.000 Menschen. Das Beteiligungsvolumen gibt die Unternehmensgruppe mit rund 400 Millionen Euro an.
Das Geschäftsmodell ging dabei weit über eine klassische Beteiligung hinaus. Die BRAWO bot Unternehmen nach eigenen Angaben unter anderem Fremdkapital, Mezzanine Kapital, Wagniskapital und Eigenkapital an. Auch Mehrheitsbeteiligungen und vollständige Unternehmensübernahmen gehörten zum Geschäft.
2024 wurde noch kräftig investiert
Ein Blick in den Jahresbericht der BRAWO zeigt, wie stark die Unternehmensgruppe ihr Beteiligungsgeschäft zuvor ausgebaut hatte.
Für das Berichtsjahr 2023 wurden Beteiligungen, Geschäftsguthaben und Anteile an verbundenen Unternehmen im Umfang von rund 417 Millionen Euro ausgewiesen. Gegenüber dem Vorjahr war dieser Wert um rund 35 Millionen Euro gestiegen.
Als wesentliche neue Beteiligungen oder Kapitalaufstockungen wurden damals unter anderem JITpay Financial, realkapital Mittelstand, Legacy Consulting, BRAWO RE Holding, BRAWO Mein Outlet, BG Gastro Holding, Hofbrauhaus Wolters und BRAWO GE Holding genannt.
Das bedeutet ausdrücklich nicht, dass diese Unternehmen heute wirtschaftliche Probleme haben. Die Aufzählung zeigt aber, in welche Bereiche die BRAWO noch wenige Jahre vor der heutigen Restrukturierung zusätzliches Kapital steckte.
Dann kam die Kehrtwende
Heute zeichnet die Volksbank selbst ein wesentlich kritischeres Bild ihres bisherigen Geschäftsmodells.
Für 2025 stellte die BRAWO einen außergewöhnlichen Wertberichtigungsbedarf fest. Ohne Gegenmaßnahmen hätte das vorläufige Ergebnis nach den Abwertungen bei minus 608,1 Millionen Euro gelegen.
Nach Angaben der Bank entfallen 96 Prozent der Wertberichtigungen auf Geschäftsfelder außerhalb des klassischen Bankgeschäfts. Rund vier Fünftel betreffen allein den Immobilienbereich.
Aber auch die Unternehmensbeteiligungen haben ihren Anteil. Die wirtschaftliche Schwäche, die Konsumzurückhaltung und die Entwicklung einzelner Beteiligungen hätten nicht die erwarteten Erträge gebracht.
Von rund 400 Gesellschaften zu weniger Komplexität
Wie groß das Geflecht inzwischen geworden war, beschrieb die Bank selbst bereits vor einigen Monaten bemerkenswert offen.
BRAWO Vorstandssprecher Lars Berkefeld sprach von rund 400 Beteiligungen innerhalb der gesamten BRAWO GROUP. Diese Zahl ist nicht mit den aktuell genannten 60 Beteiligungsnehmern im Bereich Corporate Investments gleichzusetzen. Sie verdeutlicht vielmehr die Vielzahl der Gesellschaften und Strukturen innerhalb der gesamten Unternehmensgruppe.
Genau diese Komplexität soll nun reduziert werden. Die neue Richtung lautet, stärkeres klassisches Bankgeschäft, mehr Konzentration auf die Region und weniger komplexe Beteiligungsstrukturen.
Erste Konsequenzen sind bereits sichtbar
Beim Hofbrauhaus Wolters ist die Entwicklung besonders drastisch. Die Brauerei soll zum Jahresende schließen.
Auch an anderer Stelle zieht sich die BRAWO zurück. Der Bereich Green Energy soll zum Jahresende eingestellt werden. Fünf Gesellschaften sollen ihren Betrieb beenden.
Zudem hat die Bank den Verkauf ihrer Beteiligungen an 24 Fitnessland Studios und drei Hygia Studios bekanntgegeben.
Diese Entwicklungen haben unterschiedliche wirtschaftliche Hintergründe. Sie sind deshalb kein Beleg dafür, dass weitere Unternehmen unmittelbar vor einer Insolvenz stehen.
Die entscheidende Frage bleibt unbeantwortet
Interessant ist vielmehr, was die Volksbank selbst bislang offenlässt.
Wenn viele Beteiligungen tatsächlich mit neuen Kreditlinien gestützt wurden, stellt sich die Frage, welche Unternehmen diese Kredite erhalten haben, wie hoch die Beträge sind und ob diese Finanzierungen im Zuge der neuen Strategie fortgesetzt werden.
Ebenso stellt sich die Frage, bei welchen Beteiligungen die Volksbank bereits Wertberichtigungen vorgenommen hat und welche Unternehmen künftig verkauft oder abgewickelt werden sollen.
400 Millionen Euro Beteiligungsvolumen
Die Größenordnung macht diese Fragen relevant. Die BRAWO weist für Corporate Investments derzeit rund 400 Millionen Euro Beteiligungsvolumen aus.
Parallel dazu muss die gesamte Bank die Folgen eines Wertberichtigungsbedarfs von mehr als 600 Millionen Euro bewältigen. Die genossenschaftliche Sicherungseinrichtung hat Garantien zur Abschirmung bestehender Risiken gewährt und stärkt zusätzlich das Eigenkapital der Volksbank.
Die Bank betont zugleich, dass das klassische Bankgeschäft solide sei und die Einlagen der Kundinnen und Kunden sicher seien.
Welche Beteiligungen hängen noch am Geld der BRAWO?
Damit dürfte eine der interessantesten Fragen der kommenden Monate nicht nur lauten, welche Beteiligungen die Volksbank verkauft.
Entscheidend könnte vielmehr sein, welche Unternehmen bislang auf zusätzliche Finanzierungen der BRAWO angewiesen waren und was geschieht, wenn die Volksbank im Zuge ihrer eigenen Restrukturierung weitere Kreditlinien nicht mehr fortführt.
Genau das zeigte sich bei Wolters. Eine zusätzliche Kreditlinie wurde dort nicht mehr bereitgestellt. Die Volksbank begründete dies damit, dass weiteres Geld die strukturellen Probleme der Brauerei nicht gelöst hätte.
Ob es vergleichbare Situationen bei anderen Beteiligungen gibt, ist derzeit nicht öffentlich bekannt.
Eulenstadt fragt bei der Volksbank nach
Eulenstadt möchte deshalb von der Volksbank BRAWO wissen, wie viele Beteiligungsunternehmen in den Jahren 2024, 2025 und 2026 neue oder erweiterte Kreditlinien erhalten haben, welches Kreditvolumen dahintersteht und bei welchen Beteiligungen Wertberichtigungen vorgenommen wurden.
Außerdem stellt sich die Frage, ob es neben Wolters weitere Beteiligungen gibt, deren Fortführung von Finanzierungen durch die Volksbank abhängig ist.
Die Antworten könnten zeigen, ob Wolters ein Einzelfall ist oder ob die Neuordnung der BRAWO GROUP bei weiteren Unternehmen spürbare Folgen haben wird.