Gewinner und Verlierer der Kommunalwahl 2026: So hat sich Peine verändert

Die Kommunalwahl 2026 verändert die politischen Kräfteverhältnisse in Peine deutlich. Während Klaus Saemann erneut bereits im ersten Wahlgang die Bürgermeisterwahl gewinnt und Julia Semper mit großem Vorsprung in die Stichwahl um das Landratsamt einzieht, zeigen Stadtrat und Kreistag erhebliche Verschiebungen gegenüber der Kommunalwahl 2021. Besonders auffällig ist der Stimmenzuwachs der AfD. Die CDU muss dagegen sowohl im Peiner Stadtrat als auch im Kreistag deutliche Verluste hinnehmen. Die SPD bleibt in beiden Gremien stärkste Kraft, verliert gegenüber 2021 allerdings ebenfalls Stimmenanteile.

Eulenstadt.info schaut auf die Gewinner und Verlierer der Kommunalwahl 2026. Grundlage sind die vorläufigen Endergebnisse vom Wahlabend und die Ergebnisse der Kommunalwahl 2021.

Gewinner: Klaus Saemann bestätigt seine starke Stellung

Zu den persönlichen Gewinnern des Wahlabends gehört Klaus Saemann von der SPD. Bei der Bürgermeisterwahl erreicht Saemann 51,4 Prozent der gültigen Stimmen. Damit überspringt er bereits im ersten Wahlgang die Marke von 50 Prozent und eine Stichwahl wird nicht erforderlich. Bemerkenswert ist der Vergleich mit 2021: Damals erreichte Saemann 51,05 Prozent. Fünf Jahre später kommt er praktisch auf dasselbe Ergebnis.

Bürgermeister Klaus Saemann 2021 2026 Veränderung
Stimmenanteil 51,05 % 51,4 % rund +0,35 Prozentpunkte

Das ist auch deshalb bemerkenswert, weil sich das Bewerberfeld vollständig verändert hat. 2026 trat Saemann gegen Sonja Nilz von der AfD, Ingo Yazidi von der CDU, den parteilosen Mehmed Akyalcin und Marc Weidlich von der Peiner Bürgergemeinschaft an. Sonja Nilz erreicht 18,9 Prozent und landet knapp vor Ingo Yazidi mit 18,6 Prozent. Akyalcin kommt auf 5,9 Prozent, Weidlich auf 5,1 Prozent. Saemann schafft damit erneut, was ihm bereits 2021 gelungen war: die Entscheidung im ersten Wahlgang.

Gewinnerin des ersten Wahlgangs: Julia Semper

Auch bei der Landratswahl gibt es eine klare Erstplatzierte, allerdings noch keine endgültige Siegerin. Julia Semper von der SPD erreicht 42,1 Prozent der Stimmen und liegt damit deutlich vor allen anderen Kandidatinnen und Kandidaten. Carsten Lauenstein von der CDU folgt mit 21,6 Prozent. Angela Rudzka von der AfD erreicht 17,8 Prozent, Stefanie Weigand von den Grünen 10,9 Prozent.

Landratswahl 2026 Ergebnis
Julia Semper, SPD 42,1 %
Carsten Lauenstein, CDU 21,6 %
Angela Rudzka, AfD 17,8 %
Stefanie Weigand, Grüne 10,9 %
Matthias Laue, parteilos 2,5 %
Marcus Seelis, FDP 2,1 %
Martin Schampera, Volt 1,7 %
Christian Meyer, dieBasis 1,3 %

Semper fehlen damit 7,9 Prozentpunkte zur absoluten Mehrheit. Die Entscheidung fällt deshalb erst in der Stichwahl am 27. September 2026, in der sie auf Carsten Lauenstein trifft. Semper kann zunächst als klare Gewinnerin des ersten Wahlgangs bezeichnet werden. Ob daraus auch der Sieg um das Landratsamt wird, entscheiden die Wählerinnen und Wähler im zweiten Wahlgang.

Der größte Gewinner bei den Parteien: die AfD

Betrachtet man nicht einzelne Kandidatinnen und Kandidaten, sondern die Parteiergebnisse, fällt eine Entwicklung besonders deutlich auf: Die AfD verzeichnet sowohl bei der Wahl zum Peiner Stadtrat als auch bei der Kreistagswahl mit Abstand den größten Stimmenzuwachs.

AfD im Peiner Stadtrat

2021 2026 Veränderung
AfD 5,75 % 19,2 % +13,45 Prozentpunkte

2021 erreichte die AfD bei der Peiner Stadtratswahl 5,75 Prozent. 2026 sind es nach dem vorläufigen Ergebnis 19,2 Prozent. Das entspricht einem Zuwachs von rund 13,5 Prozentpunkten. Damit verändert sich auch das Kräfteverhältnis im Stadtrat erheblich, denn die AfD liegt 2026 deutlich näher an der CDU als noch vor fünf Jahren.

Fast dieselbe Entwicklung im Kreistag

2021 2026 Veränderung
AfD 5,57 % 18,78 % +13,21 Prozentpunkte

Auch auf Kreisebene ist der Zuwachs deutlich. Bei der Kreistagswahl 2021 erreichte die AfD 5,57 Prozent, 2026 sind es 18,78 Prozent. Damit gewinnt die Partei auch hier mehr als 13 Prozentpunkte hinzu. Unabhängig von der politischen Bewertung ist die AfD damit gemessen am Stimmenzuwachs einer der eindeutigsten Gewinner dieser Kommunalwahl im Peiner Land.

SPD bleibt stärkste Kraft, verliert aber Stimmen

Etwas komplizierter fällt die Bilanz für die SPD aus. Auf der einen Seite gewinnt Klaus Saemann die Bürgermeisterwahl direkt und Julia Semper geht mit großem Vorsprung als Erstplatzierte in die Landratsstichwahl. Außerdem bleibt die SPD sowohl im Stadtrat als auch im Kreistag stärkste Partei. Auf der anderen Seite verliert sie bei beiden Vertretungswahlen gegenüber 2021 Stimmenanteile.

SPD im Peiner Stadtrat

2021 2026 Veränderung
SPD 38,61 % 36,4 % −2,21 Prozentpunkte

Die SPD bleibt damit zwar mit deutlichem Abstand stärkste Kraft im Peiner Stadtrat, kann ihr Ergebnis von 2021 aber nicht vollständig halten.

SPD im Kreistag

2021 2026 Veränderung
SPD 36,84 % 33,74 % −3,10 Prozentpunkte

Auch im Kreistag bleibt die SPD stärkste Kraft, verliert gegenüber 2021 aber rund 3,1 Prozentpunkte. Die Sozialdemokraten gehören deshalb nicht eindeutig in eine der beiden Kategorien Gewinner oder Verlierer. Bei den Direktwahlen ist ihre Ausgangslage stark, bei den Parteistimmen müssen sie dagegen Verluste hinnehmen.

Deutlicher Verlierer: Die CDU verliert in Stadt und Landkreis

Wesentlich eindeutiger fällt die Bilanz der CDU aus. Bei der Bürgermeisterwahl erreicht Ingo Yazidi 18,6 Prozent und landet damit auf Platz drei. Auch bei den Wahlen zu Stadtrat und Kreistag verliert die CDU gegenüber 2021 deutlich.

CDU im Peiner Stadtrat

2021 2026 Veränderung
CDU 29,60 % 22,1 % −7,50 Prozentpunkte

2021 kam die CDU noch auf 29,6 Prozent, nun sind es 22,1 Prozent. Damit verliert sie rund 7,5 Prozentpunkte. Gleichzeitig schrumpft der Abstand zwischen CDU und AfD im Stadtrat erheblich. Nach dem vorläufigen Ergebnis liegen zwischen beiden Parteien nur noch wenige Prozentpunkte.

CDU verliert auch im Kreistag

2021 2026 Veränderung
CDU 28,41 % 22,20 % −6,21 Prozentpunkte

Im Kreistag fällt der Verlust ähnlich deutlich aus. Von 28,41 Prozent im Jahr 2021 geht es auf 22,20 Prozent zurück. Das entspricht einem Minus von rund 6,2 Prozentpunkten. Carsten Lauenstein hält für die CDU allerdings die Landratswahl offen. Mit 21,6 Prozent erreicht er Platz zwei und zieht damit in die Stichwahl gegen Julia Semper ein.

Grüne verlieren ebenfalls

Auch Bündnis 90/Die Grünen können ihre Ergebnisse von 2021 nicht halten.

Wahl 2021 2026 Veränderung
Stadtrat Peine 11,19 % 8,7 % −2,49 Prozentpunkte
Kreistag 13,10 % 10,94 % −2,16 Prozentpunkte

Im Stadtrat verlieren die Grünen rund 2,5 Prozentpunkte, im Kreistag gut 2,2 Prozentpunkte. Bei der Landratswahl erreicht die grüne Kandidatin Stefanie Weigand 10,9 Prozent und landet damit auf Platz vier.

Die Linke legt im Peiner Stadtrat zu

Neben der AfD gibt es im Peiner Stadtrat einen weiteren Stimmengewinner. Die Linke verbessert sich von 2,02 Prozent im Jahr 2021 auf 4,7 Prozent im vorläufigen Ergebnis 2026.

2021 2026 Veränderung
Die Linke 2,02 % 4,7 % +2,68 Prozentpunkte

Prozentual ist der Zuwachs erheblich, auch wenn die Partei weiterhin deutlich hinter SPD, CDU, AfD und Grünen liegt.

FDP und Peiner Bürgergemeinschaft verlieren

Auch bei den kleineren politischen Kräften gibt es Veränderungen. Die FDP erreichte bei der Stadtratswahl 2021 noch 3,94 Prozent. 2026 kommt sie nach dem vorläufigen Ergebnis auf 1,8 Prozent. Die Peiner Bürgergemeinschaft beziehungsweise das damalige gemeinsame Ergebnis FW-PB kam 2021 auf 5,74 Prozent, während die PB 2026 auf 4,4 Prozent kommt. Ein direkter Vergleich muss hier allerdings vorsichtiger vorgenommen werden als bei SPD, CDU, AfD oder Grünen, weil sich Bezeichnungen, Zusammenschlüsse und Bewerberkonstellationen zwischen den beiden Wahlen verändert haben können.

Stadtrat im direkten Vergleich: 2021 gegen 2026

Partei 2021 2026 Veränderung
SPD 38,61 % 36,4 % −2,21
CDU 29,60 % 22,1 % −7,50
AfD 5,75 % 19,2 % +13,45
Grüne 11,19 % 8,7 % −2,49
Linke 2,02 % 4,7 % +2,68
FDP 3,94 % 1,8 % −2,14

Angaben in Prozent. Veränderungen in Prozentpunkten. Ergebnisse 2026 vorläufig.

Kreistag: Auch hier verschieben sich die Kräfte

Partei 2021 2026 Veränderung
SPD 36,84 % 33,74 % −3,10
CDU 28,41 % 22,20 % −6,21
AfD 5,57 % 18,78 % +13,21
Grüne 13,10 % 10,94 % −2,16

Angaben in Prozent. Veränderungen in Prozentpunkten. Ergebnisse 2026 vorläufig.

Was die Zahlen für Peine bedeuten

Der Vergleich mit 2021 macht deutlich, dass die Kommunalwahl 2026 keineswegs nur eine Bestätigung der bisherigen politischen Verhältnisse ist. Die SPD bleibt sowohl im Stadtrat als auch im Kreistag stärkste Kraft, verliert aber Stimmenanteile. Gleichzeitig erzielt sie bei den Direktwahlen starke Ergebnisse: Klaus Saemann gewinnt das Bürgermeisteramt bereits im ersten Wahlgang, Julia Semper geht mit deutlichem Vorsprung in die Stichwahl um das Landratsamt.

Die CDU bleibt zweitstärkste Partei in Stadtrat und Kreistag, muss jedoch deutliche Verluste hinnehmen. Bei der Bürgermeisterwahl landet ihr Kandidat Ingo Yazidi auf Platz drei, bei der Landratswahl schafft Carsten Lauenstein dagegen den Einzug in die Stichwahl. Die größte Verschiebung findet bei der AfD statt. Ihre Stimmenanteile bei Stadtrat und Kreistag haben sich gegenüber 2021 mehr als verdreifacht. Zudem erreicht Sonja Nilz bei der Bürgermeisterwahl mit 18,9 Prozent Platz zwei. Die Grünen verlieren in beiden Vertretungen Stimmenanteile, während die Linke zumindest bei der Peiner Stadtratswahl deutlich zulegen kann.

Gewinner und Verlierer auf einen Blick

Klaus Saemann wird erneut im ersten Wahlgang gewählt und erreicht mit 51,4 Prozent praktisch dasselbe Ergebnis wie 2021. Julia Semper ist mit 42,1 Prozent klare Erstplatzierte der Landratswahl, die endgültige Entscheidung fällt allerdings erst in der Stichwahl. Die AfD erzielt den mit Abstand größten Stimmenzuwachs bei Stadtrat und Kreistag und erreicht zudem Platz zwei bei der Bürgermeisterwahl. Auch Die Linke kann bei der Peiner Stadtratswahl deutlich zulegen.

Die Bilanz der SPD fällt gemischt aus: starke Direktwahlergebnisse und weiterhin Platz eins in Stadtrat und Kreistag, gleichzeitig aber Verluste bei beiden Vertretungswahlen. Die CDU verliert bei Stadtrat und Kreistag deutlich und erreicht bei der Bürgermeisterwahl Platz drei. Mit Carsten Lauenstein bleibt ihr allerdings die Chance auf das Landratsamt. Auch Grüne und FDP schneiden bei den betrachteten Vertretungswahlen schwächer ab als 2021.

Noch ist die Kommunalwahl nicht vollständig abgeschlossen

Bei allen Zahlen für 2026 handelt es sich derzeit um vorläufige Ergebnisse. Die formelle Feststellung durch die zuständigen Wahlausschüsse steht noch aus. Außerdem ist eine wichtige Personalentscheidung weiterhin offen: Am 27. September 2026 entscheiden die Wahlberechtigten im Landkreis Peine in der Stichwahl zwischen Julia Semper und Carsten Lauenstein über das Landratsamt. Auch die Ergebnisse und künftigen Kräfteverhältnisse in den neun Peiner Ortsräten werden wir auf Eulenstadt.info noch gesondert betrachten.

Die Kommunalwahl 2026 ist damit ausgezählt, politisch ist in Peine aber längst noch nicht alles entschieden.

Hinweis zur Einordnung

Die Bezeichnungen „Gewinner“ und „Verlierer“ beziehen sich in diesem Beitrag ausschließlich auf Wahlergebnisse, Veränderungen der Stimmenanteile und das Abschneiden bei den Direktwahlen. Sie stellen keine politische Bewertung der Parteien, Kandidatinnen oder Kandidaten dar.