
Das Peiner Freischießen kennt fast jeder. Ausmärsche durch die Stadt, volle Säle und Zelte, Musik und die Königsproklamation gehören im Juli fest zum Stadtbild. Doch das Freischießen endet nicht mit dem letzten Abend auf dem Schützenplatz. Einige Wochen später beginnt ein Teil der Peiner Tradition, den viele außerhalb der Korporationen vermutlich weniger gut kennen, die Königsballsaison.
Den Anfang macht in diesem Jahr der Bürgerkönig. Matthias Klemm von der Schützengilde feiert am Samstag, 19. September 2026, seinen Bürgerkönigsball. Beginn ist um 20 Uhr im Saal der Schützengilde. Der Bürgerkönigsball gehört damit zu den Veranstaltungen rund um das Peiner Freischießen, die längst nicht jeder Peiner selbst erlebt hat.
Kein gewöhnlicher öffentlicher Ball
Der Bürgerkönigsball ist eng mit den Korporationen des Peiner Freischießens verbunden. Die Majestäten besuchen die Königsbälle und werden dabei von Abordnungen ihrer Korporationen begleitet. Wie das organisiert wird, zeigen Unterlagen des Peiner Walzwerker Vereins aus dem Jahr 2024. Dort wurde für die einzelnen Königsbälle festgelegt, welche Mitglieder die eigene Majestät begleiten. Auch für den Bürgerkönigsball war eine entsprechende Abordnung vorgesehen. Der Besuch eines Königsballs gehört damit für viele Mitglieder fest zum Freischießenjahr.
Das bedeutet aber nicht, dass dort ausschließlich Funktionsträger oder Mitglieder der Korporationen zusammenkommen. Zum Gästekreis können auch weitere persönliche Gäste gehören. Eine allgemeine öffentlich zugängliche Regelung dazu, wer beim Bürgerkönigsball 2026 teilnehmen kann und wie die Karten vergeben werden, ist derzeit nicht zu finden. Deshalb lässt sich auch nicht pauschal sagen, dass der Ball ausschließlich eine geschlossene Veranstaltung ist.
Aus Freischießen wird Ballsaison
Wer beim Freischießen nur an die Tage im Juli denkt, sieht nur einen Teil der Peiner Tradition. Im Herbst folgen die Königsbälle. Den Auftakt macht am 19. September der Ball des Bürgerkönigs. Am 26. September folgt der Königsball des Corps der Bürgersöhne. Im Oktober stehen die Königsbälle des Peiner Walzwerker Vereins, des TSV Bildung und des MTV Vater Jahn im Kalender. Im November folgen weitere Veranstaltungen. Der Bürgerkönigsball eröffnet damit eine Reihe festlicher Abende rund um die Majestäten des Peiner Freischießens.
Der Einmarsch des Bürgerkönigs
Zu den besonderen Momenten des Abends gehört der Einmarsch des Bürgerkönigs. Matthias Klemm zieht dabei gemeinsam mit den beiden Bürgerschaffern Thomas Weitling und Andreas Meier in den Saal ein. Die Bürgerschaffer kümmern sich um die Gesamtvorbereitungen des Freischießens und haben damit eine wichtige organisatorische Funktion. Beim Bürgerkönigsball treffen Bürgerkönig, Bürgerschaffer, Majestäten und die Abordnungen der Korporationen in einem festlichen Rahmen zusammen.
Wie ein solcher Abend gefeiert wird, zeigt ein Blick auf das vergangene Jahr. 2025 stellte das Bürger-Jäger-Corps mit Mario Mytzka den Bürgerkönig. Das Corps berichtete anschließend von einem festlich geschmückten Saal und vielen Gästen der Abordnungen. DJ Marc van Rouven sorgte für eine volle Tanzfläche. Zu später Stunde wurden die Gäste außerdem noch kulinarisch versorgt. Der Bürgerkönigsball ist damit ein Ball mit Musik, Tanz und geselligem Beisammensein. Seine Besonderheit bekommt der Abend durch die enge Verbindung zum Peiner Freischießen.
Sieben Korporationen prägen das Freischießen
Um den Bürgerkönigsball zu verstehen, lohnt sich ein Blick auf die Struktur des Peiner Freischießens. Sieben Korporationen gehören dazu. Das sind die Schützengilde, das Bürger-Jäger-Corps, das Neue Bürger-Corps, das Corps der Bürgersöhne, der MTV Vater Jahn, der TSV Bildung und der Peiner Walzwerker Verein. Drei davon sind die sogenannten Bürgerkorporationen, die Schützengilde, das Bürger-Jäger-Corps und das Neue Bürger-Corps.
Eine Besonderheit gibt es beim Schießen um die Bürgerkönigswürde. Auch ein Bürger der Stadt Peine kann daran teilnehmen, ohne einer Korporation anzugehören. Für den Erwerb der Würde gelten weitere Voraussetzungen. 2026 setzte sich Matthias Klemm von der Schützengilde durch. Damit stellt die Schützengilde erstmals seit 2018 wieder den Bürgerkönig der Stadt Peine.
Das Freischießen lebt auch nach dem Juli weiter
Die Königsbälle zeigen, dass das Peiner Freischießen nicht nur aus einigen Festtagen im Juli besteht. Die Korporationen sind das ganze Jahr aktiv, besuchen ihre Veranstaltungen gegenseitig und begleiten ihre Majestäten zu den Königsbällen. Auch die Stadt Peine ist eng mit dem Freischießen verbunden. Sie ist Trägerin des Peiner Freischießens. Der Bürgermeister eröffnet und beendet das Fest und proklamiert den neuen Bürgerkönig.
Die Korporationen selbst haben unterschiedliche historische Wurzeln. Das Bürger-Jäger-Corps wurde beispielsweise stark durch das Handwerk geprägt. In der Schützengilde organisierten sich traditionell Kaufleute. Andere Korporationen entstanden aus anderen Teilen der Peiner Stadtgesellschaft. Diese historischen Strukturen lassen sich nicht einfach auf die Gegenwart übertragen. Sie erklären aber, warum die Korporationen und ihre Traditionen weit über die eigentlichen Festtage hinausreichen.
Wie alt ist der Bürgerkönigsball
Beim Alter des Bürgerkönigsballs wird die Quellenlage schwieriger. Das Peiner Freischießen selbst reicht weit in die Geschichte zurück. Ein verlässlich belegtes Gründungsjahr des Bürgerkönigsballs lässt sich aus den öffentlich zugänglichen Quellen jedoch nicht bestimmen. Deshalb sollte dem Ball kein konkretes Alter zugeschrieben werden, solange dafür kein historischer Beleg vorliegt. Fest steht, dass die Königsbälle heute einen festen Platz im Kalender des Peiner Freischießens haben und ihre Termine aufeinander abgestimmt werden.
Eine andere Seite des Peiner Freischießens
Beim Freischießen im Juli ist die Tradition in der ganzen Stadt sichtbar. Die Korporationen ziehen durch die Straßen, Musikzüge spielen und auf dem historischen Marktplatz werden die neuen Könige proklamiert. Im Herbst verändert sich der Rahmen. Dann begleiten Mitglieder ihre Majestäten zu den Bällen und die Korporationen besuchen sich gegenseitig. Für viele Mitglieder gehört diese Zeit selbstverständlich zum Freischießenjahr. Andere Peiner kennen die Königsbälle vielleicht nur vom Namen.
Der Bürgerkönigsball nimmt dabei eine besondere Stellung ein. Im Mittelpunkt steht der Bürgerkönig der Stadt Peine. Am 19. September ist das Matthias Klemm. Gemeinsam mit den Bürgerschaffern Thomas Weitling und Andreas Meier erfolgt sein Einmarsch in den Saal der Schützengilde. Danach beginnt ein Abend, der eine Seite des Peiner Freischießens zeigt, die auf dem Schützenplatz im Juli kaum zu sehen ist.