PEINE. Der Eulenmarkt gehörte über viele Jahre zu Peine. Besonders im September war das große Stadtfest für viele Menschen ein fester Termin. Immer wieder taucht deshalb die Frage auf, ob Peine wieder ein großes Stadtfest dieser Art braucht. Doch die Zeiten haben sich geändert. Veranstaltungen sind erheblich teurer und aufwendiger geworden, auch Besucher müssen stärker auf ihre Ausgaben achten. Gleichzeitig bietet Peine heute bereits zahlreiche Veranstaltungen über das gesamte Jahr. Ist ein zusätzliches Großereignis unter diesen Bedingungen überhaupt noch notwendig?

Der Eulenmarkt war ein Fest seiner Zeit

1985 wurde der Peiner Eulenmarkt ins Leben gerufen. Über viele Jahre entwickelte er sich zu einem festen Bestandteil des Veranstaltungskalenders und lockte zahlreiche Menschen in die Innenstadt. Viele Peiner verbinden damit persönliche Erinnerungen: Freunde treffen, durch die Innenstadt ziehen, Musik hören, etwas essen oder gemeinsam ein Bier trinken. Der Eulenmarkt hatte seine Berechtigung und gehörte zu seiner Zeit einfach zu Peine.

Doch aus der Tatsache, dass eine Veranstaltung früher beliebt und erfolgreich war, folgt nicht automatisch, dass dasselbe Konzept Jahrzehnte später noch unter den gleichen Voraussetzungen funktionieren würde. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen haben sich verändert. Wer heute eine große Innenstadtveranstaltung organisiert, muss nicht nur Künstler, Bühnen und Technik finanzieren. Security, Sicherheitskonzepte, Zufahrtsschutz, Sanitätsdienst, Verkehrssicherung, Strom, Wasser, Toiletten, Reinigung, Müllentsorgung, Versicherungen, Werbung, Personal sowie Auf und Abbau gehören ebenfalls zur Rechnung.

Wie teuer ein Stadtfest heute werden kann

Wie stark sich die Kosten verändert haben, zeigt ein Beispiel aus Niedersachsen. Das Stadtfest in Barsinghausen kostete nach Angaben des dortigen Veranstalters im Jahr 2019 noch rund 80.000 Euro. 2022 wurden bereits rund 135.000 Euro genannt, 2023 waren es 175.000 Euro. Für 2024 wurde mit rund 185.000 Euro kalkuliert. Für das Stadtfest 2025 wurden allein rund 36.000 Euro für Sicherheitsmaßnahmen genannt. Bühnen und Technik schlugen mit etwa 40.000 Euro zu Buche, die Abfallentsorgung mit rund 13.000 Euro.

Finanziert wurde die Veranstaltung aus verschiedenen Quellen. Für 2025 wurden rund 110.000 Euro von Sponsoren, etwa 50.000 Euro aus Standgebühren und 36.000 Euro Unterstützung durch die Stadt genannt. Diese Zahlen lassen sich nicht eins zu eins auf Peine übertragen, sie zeigen aber, dass ein größeres Stadtfest heute schnell einen sechsstelligen Finanzierungsbedarf erreichen kann.

Andere Städte zeigen, dass es trotzdem möglich ist

Dass große Stadtfeste grundsätzlich noch funktionieren können, zeigt Gifhorn. Die Stadt ist von ihrer Größenordnung durchaus mit Peine vergleichbar und hält weiterhin an ihrem großen Altstadtfest fest. Beim Altstadtfest 2026 wurden acht Bühnen sowie rund 65 Bands, DJs, Chöre und Solokünstler angekündigt. Hinzu kamen etwa 120 Verkaufs- und Gastronomiestände in der Innenstadt. Das zeigt, auch eine Stadt dieser Größenordnung kann heute noch ein großes Stadtfest veranstalten. Voraussetzung sind jedoch entsprechende finanzielle Mittel, Sponsoren, Standbetreiber und eine umfangreiche Organisation.

Peine muss sich wirtschaftlich nicht verstecken

Auch wirtschaftlich ist Peine durchaus mit anderen Städten ähnlicher Größe vergleichbar. Nach den Kaufkraft- und Einzelhandelsdaten der IHK Braunschweig werden für 2026 folgende Werte ausgewiesen:

Stadt Einwohner Stationärer Einzelhandelsumsatz Zentralitätsindex
Peine 50.940 454,36 Mio. € 137,2
Wolfenbüttel 52.444 455,24 Mio. € 119,4
Gifhorn 42.698 377,05 Mio. € 123,8

Der Zentralitätsindex zeigt vereinfacht, wie stark der örtliche Einzelhandel Kaufkraft aus dem Umland anzieht. Ein Wert über 100 steht für einen Kaufkraftzufluss. Quelle: IHK Braunschweig, Kaufkraft und Einzelhandelsdaten 2026.

Die wirtschaftlichen Kennzahlen sprechen also nicht dafür, dass Peine grundsätzlich zu klein für ein großes Stadtfest wäre. Die entscheidende Frage ist vielmehr, ob ein zusätzliches Großereignis angesichts der heutigen Kosten und des bereits bestehenden Angebots notwendig ist.

Auch für Besucher ist ein Stadtfest teurer geworden

Nicht nur die Kosten für Veranstalter sind gestiegen. Auch ein Besuch auf einem Stadtfest ist heute teurer als noch in den 1990er Jahren. Standbetreiber müssen höhere Ausgaben für Personal, Energie, Lebensmittel, Getränke, Transport und weitere Betriebskosten einkalkulieren. Diese Kosten schlagen sich auch in den Preisen für Bier, Cola, Bratwurst, Pommes und andere Angebote nieder. Gerade für Familien kann ein Abend auf einem Stadtfest dadurch schnell zu einer größeren Ausgabe werden.

Gleichzeitig sind viele Bereiche des täglichen Lebens teurer geworden. Miete, Energie, Lebensmittel, Versicherungen und Mobilität belasten das Haushaltsbudget. Veranstalter und Standbetreiber befinden sich dadurch in einer schwierigen Situation. Sie müssen ihre gestiegenen Kosten decken, können die Preise an den Ständen aber nicht beliebig erhöhen. Wenn Besucher stärker auf ihre Ausgaben achten und weniger konsumieren, kann ein gut besuchtes Stadtfest für einzelne Anbieter trotzdem wirtschaftlich schwierig sein.

Peine hat bereits viele Veranstaltungen

Genau hier unterscheidet sich Peine heute von früher. Der Wegfall des Eulenmarktes hat nicht dazu geführt, dass in der Stadt nichts mehr stattfindet. Mit Weinfest, Highland Gathering, Foodtruck Festival, OpenStage, Weihnachtsstadt und weiteren Veranstaltungen gibt es über das Jahr verteilt zahlreiche Termine, die Menschen in die Innenstadt bringen. Die einzelnen Veranstaltungen haben unterschiedliche Schwerpunkte und sprechen damit auch unterschiedliche Besuchergruppen an.

Dabei sollte auch die Arbeit von Peine Marketing nicht unerwähnt bleiben. Mit den vorhandenen finanziellen und personellen Möglichkeiten wird über das Jahr hinweg einiges auf die Beine gestellt. Unterschiedliche Veranstaltungen bringen Menschen in die Innenstadt und sorgen dafür, dass in Peine regelmäßig etwas los ist. Aus Sicht von eulenstadt.info macht Peine Marketing hier seit Jahren einen guten Job und holt aus den vorhandenen Möglichkeiten viel heraus.

Das kann durchaus ein Vorteil sein. Statt einen großen Teil der finanziellen und personellen Ressourcen auf ein einziges Wochenende zu konzentrieren, verteilen sich die Veranstaltungen über das Jahr. Für Besucher bedeutet das mehrere Gelegenheiten, die Innenstadt zu besuchen. Gleichzeitig kann jeder selbst entscheiden, welche Veranstaltung zu den eigenen Interessen und zum eigenen Budget passt. Nicht jede dieser Veranstaltungen benötigt mehrere Bühnen, Dutzende Künstler und eine großflächige Absicherung der Innenstadt.

Auch die Haushaltslage spielt eine Rolle

Bei der Diskussion darf auch die finanzielle Situation der Stadt nicht ausgeblendet werden. Der Peiner Haushaltsplan weist für 2026 im ordentlichen Ergebnishaushalt einen Fehlbedarf von rund 31,45 Millionen Euro aus. Das bedeutet nicht, dass deshalb keine Veranstaltungen mehr unterstützt werden können. Es stellt aber die Frage, ob zusätzliche freiwillige finanzielle Mittel für ein neues Großereignis eingesetzt werden sollten, wenn bereits zahlreiche Veranstaltungen bestehen. Ein Stadtfest könnte zwar auch über Sponsoren, Standgebühren und weitere Einnahmen finanziert werden, die Beispiele aus anderen Städten zeigen jedoch, welche Summen dafür inzwischen zusammenkommen müssen.

Der Eulenmarkt war gut, die Zeit ist heute eine andere

Der frühere Eulenmarkt muss nicht schlechtgeredet werden, um die Notwendigkeit eines neuen Stadtfestes kritisch zu hinterfragen. Er war für seine Zeit ein wichtiges und beliebtes Peiner Ereignis, viele Menschen haben schöne Erinnerungen daran, und diese bleiben ein Teil der Stadtgeschichte.

Heute sind die Voraussetzungen jedoch andere. Großveranstaltungen sind teurer und organisatorisch aufwendiger geworden, Besucher müssen stärker auf ihre Ausgaben achten und gleichzeitig verfügt Peine bereits über einen gut gefüllten Veranstaltungskalender. Warum also erhebliche finanzielle und personelle Ressourcen in ein zusätzliches Großereignis stecken, wenn Weinfest, Foodtruck Festival, Highland Gathering, Weihnachtsstadt und andere Veranstaltungen bereits regelmäßig Menschen zusammenbringen?

Der Eulenmarkt war ein Fest seiner Zeit und für viele Peiner eine schöne Tradition. Doch nicht jede frühere Tradition muss zurückkehren, damit in einer Stadt etwas los ist. Peine hat heute bereits zahlreiche Veranstaltungen über das gesamte Jahr. Unter den heutigen wirtschaftlichen Bedingungen kann genau das das passendere Modell sein.

Hinweis: Die genannten Kosten anderer Stadtfeste dienen der Einordnung und lassen sich nicht unmittelbar auf Peine übertragen. Die tatsächlichen Kosten eines neuen Peiner Stadtfestes könnten erst anhand eines konkreten Veranstaltungskonzeptes ermittelt werden.