Peine. Zweite Handball-Bundesliga, Deutsche Meisterschaften, große Fußballabende vor 11.000 Zuschauern und sogar internationale E-Sport-Titel: Wer sich mit der Geschichte der Peiner Vereine beschäftigt, stößt auf erstaunlich viele überregionale Erfolge. Dabei reicht die Geschichte weit über Fußball hinaus. Turner, Handballerinnen, Trampoliner, Karateka, Spielmannszüge und E-Sportler haben den Namen Peine auf Landesebene, Bundesebene und teilweise sogar international vertreten. Ein chronologischer Blick auf einige der herausragenden Stationen der Peiner Vereinsgeschichte.

1597: Mehr als vier Jahrhunderte Vereinsgeschichte

Einen frühen Ausgangspunkt bildet die Schützengilde zu Peine von 1597. Ihre Geschichte reicht mehr als 400 Jahre zurück und ist eng mit der Entwicklung des Peiner Freischießens verbunden. Auch wenn sich eine jahrhundertealte Schützentradition kaum mit einer Bundesliga-Saison oder einer Deutschen Meisterschaft vergleichen lässt, zeigt sie, wie weit die organisierte Gemeinschafts- und Vereinsgeschichte in Peine zurückreicht.

1814: Das Corps der Bürgersöhne entsteht

Mit dem Corps der Bürgersöhne von 1814 entstand eine weitere Vereinigung, die bis heute zum Peiner Stadtleben gehört. Schützenwesen, Korporationen und später die zahlreichen Spielmanns- und Hörnerzüge entwickelten sich zu einem wichtigen Teil der Peiner Vereinskultur.

1862: MTV Vater Jahn wird gegründet

Am 2. Juni 1862 wurde der MTV Vater Jahn Peine gegründet. Aus dem Turnverein entwickelte sich im Laufe der Jahrzehnte ein großer Mehrspartenverein. Besonders bemerkenswert ist dabei die Bandbreite der späteren Erfolge. Handball, Trampolinturnen und Spielmannsmusik brachten dem Verein überregionale Aufmerksamkeit.

1863: TSV Bildung folgt

Nur ein Jahr später wurde der heutige TSV Bildung Peine von 1863 gegründet. Auch dieser Verein sollte später nicht nur im klassischen Sport auf sich aufmerksam machen. Besonders der Spielmanns- und Hörnerzug schrieb Peiner Erfolgsgeschichte.

1890 bis 1906: Radsport, Stederdorf, Essinghausen, Fußball und Schwimmen

Gegen Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden weitere Vereine, die das Peiner Sportleben bis heute prägen. Dazu zählen unter anderem der RSC Wanderlust Peine von 1890, der MTV Stederdorf von 1893, der TSV Eintracht Essinghausen von 1894, der VfB Peine von 1904 und der Peiner Schwimmverein von 1906. Gerade der VfB sollte später eines der bemerkenswertesten Kapitel der Peiner Mannschaftssportgeschichte schreiben.

1957: VfB Peine steht vor dem Sprung in die höchste deutsche Fußballliga

1957 erreichte der VfB Peine die Aufstiegsrunde zur Oberliga Nord. Die Bedeutung dieses Erfolges lässt sich aus heutiger Sicht leicht unterschätzen. Die Oberliga Nord war damals eine der höchsten Spielklassen des deutschen Fußballs, die Bundesliga wurde erst 1963 gegründet. Peine traf in der Aufstiegsrunde auf Union Salzgitter, Sperber Hamburg und den VfB Lübeck. Im entscheidenden Spiel gegen Lübeck hielt der VfB lange dagegen. Erst in der 81. Minute erzielte Lübeck das 1:0. Damit fehlten dem VfB nur wenige Minuten zu einem Ergebnis, das den Weg in die damalige höchste Spielklasse hätte öffnen können.

1958: Niedersachsenpokal geht nach Peine

Nur ein Jahr später folgte der nächste große Erfolg. Der VfB Peine gewann 1958 den Niedersachsenpokal. Damit hatte Peine einen landesweiten Fußballtitel vorzuweisen.

1960: 11.000 Zuschauer sehen Peine gegen den Deutschen Meister

1960 folgte einer der größten Fußballtage der Peiner Stadtgeschichte. Der VfB setzte sich zunächst gegen die höherklassigen Mannschaften von Hannover 96 und VfV Hildesheim durch. Danach wartete ein Gegner von völlig anderem Format, der amtierende Deutsche Meister Hamburger SV. Rund 11.000 Zuschauer verfolgten die Begegnung in Peine. Der VfB unterlag dem großen Favoriten mit 1:6. Das Ergebnis war deutlich, die Kulisse und der Gegner machten das Spiel dennoch zu einem besonderen Moment der Peiner Fußballgeschichte.

1970: Niedersachsenmeister bei Vater Jahn

Auch der Handball entwickelte sich bei Vater Jahn erfolgreich. 1970 wurde die männliche A-Jugend des Vereins Niedersachsenmeister. In den folgenden Jahren ging es auch für die Frauenmannschaft nach oben. 1974 gelang der Aufstieg in die Oberliga.

1975 bis 1978: Die große Fußballzeit des VfB

In den 1970er-Jahren erreichte der VfB Peine erneut eine außergewöhnliche Erfolgsserie. 1975, 1977 und 1978 wurde der Verein Niedersachsenmeister. Drei Landesmeisterschaften innerhalb von vier Jahren machen diese Phase zu einer der erfolgreichsten Perioden des Peiner Fußballs.

1980: Deutscher Meister aus Peine

1980 gelang einem Peiner Verein ein Erfolg auf Bundesebene, allerdings nicht auf dem Fußballplatz. Der Spielmanns- und Hörnerzug des TSV Bildung Peine wurde Deutscher Meister. Damit zeigt sich eine Besonderheit der Peiner Vereinsgeschichte. Die Spielmannsmusik ist hier nicht nur Begleitung von Schützenfesten und Freischießen, sondern wurde auch wettbewerbsmäßig auf hohem Niveau betrieben.

1982: Eine Peinerin im Junioren-Nationalteam

Bei Vater Jahn setzte sich währenddessen die erfolgreiche Handballentwicklung fort. 1982 wurde Claudia Hagenbach aus der A-Jugend in das Junioren-Nationalteam berufen. Damit schaffte eine Spielerin aus der Peiner Nachwuchsarbeit den Sprung auf die nationale Ebene.

1987: Auszeichnung beim Deutschen Turnfest

Auch der Spielmannszug des MTV Vater Jahn trat überregional erfolgreich auf. Beim Deutschen Turnfest 1987 in Berlin erreichten die Peiner einen „Ersten Rang mit Auszeichnung“. Der Spielmannszug nahm über Jahrzehnte an Wertungsspielen, Landestreffen sowie Deutschen und internationalen Turnfestveranstaltungen teil.

1993: TSV Bildung erneut Deutscher Meister

13 Jahre nach dem ersten großen Titel gab es beim TSV Bildung erneut Grund zum Feiern. Diesmal war es der Jugendzug, der 1993 Deutscher Meister wurde. Damit lassen sich für die Spielmannsmusik des TSV Bildung mindestens zwei Deutsche Meisterschaften in unterschiedlichen Generationen nachweisen.

1997: Peiner Handballerinnen steigen in die 2. Bundesliga auf

Einen der größten klassischen Mannschaftssporterfolge Peines erreichten die Frauen des MTV Vater Jahn. Nach dem Aufstieg in die Regionalliga 1995 folgte 1997 der nächste Schritt. Die Damenmannschaft stieg in die 2. Handball-Bundesliga auf. Damit spielte eine Peiner Mannschaft in der zweithöchsten deutschen Spielklasse. Neben den Erfolgen des VfB in den 1950er- und 1970er-Jahren gehört dieser Aufstieg zu den herausragenden Kapiteln des Peiner Mannschaftssports.

2002: Wieder starke Wertung für Vater Jahns Spielleute

Beim Deutschen Turnfest 2002 in Leipzig erreichte der Spielmannszug des MTV Vater Jahn das Prädikat „Sehr gut“. Die Spielmannsmusik blieb damit über Jahrzehnte ein Bereich, in dem Peiner Vereine auch außerhalb der Stadt auftraten.

2009: Eine neue Sportwelt entsteht in Peine

2009 begann eine Erfolgsgeschichte, die mit den traditionellen Peiner Sportarten zunächst wenig gemeinsam hatte. Die Playing Ducks entstanden in Peine und widmeten sich dem E-Sport. Aus dem Peiner Verein entwickelte sich eine Organisation, die in zahlreichen Computerspielen Teams stellte und zunehmend auf nationaler und internationaler Ebene antrat.

2013: Deutscher Meister aus Stederdorf

2013 folgte ein weiterer Deutscher Meistertitel für die Peiner Spielmannsmusik. Der Spielmannszug des MTV Stederdorf gewann beim Deutschen Musikfest in Chemnitz seine Klasse und wurde Deutscher Meister. Damit lassen sich allein bei Peiner Spielmannszügen mehrere Deutsche Meistertitel nachweisen.

2016: Deutscher Meister im Karate

Auch im Kampfsport schaffte es ein Peiner auf die nationale Spitze. Jens Zimmermann gewann im Karate die Deutsche Meisterschaft Ü50. Die Stadt Peine würdigte seine Leistungen anschließend bei ihrer Sportlerehrung.

2017: Playing Ducks erreichen internationales Finale

Nur acht Jahre nach ihrer Gründung gelang den Playing Ducks ein außergewöhnlicher internationaler Erfolg. Das Rainbow-Six-Team erreichte das Finale der ESL Pro League World Championship vor über 80.000 Zuschauern im polnischen Katowice und wurden Vize-Weltmeister. Damit hatte ein in Peine gegründeter Verein endgültig die internationale E-Sport-Bühne erreicht.

2018: Deutscher Mannschaftsmeister im Trampolinturnen

Ein Jahr später stand wieder Vater Jahn im Mittelpunkt. Die Peiner Trampolinerinnen Sheridan Kola, Lea Asche, Lucia Vorrat und Leah Abel gewannen die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft 2018. Damit kam ein weiterer Deutscher Meistertitel nach Peine, diesmal im Trampolinturnen.

2020: Handballerinnen holen erneut Titel

Mehr als zwei Jahrzehnte nach dem Aufstieg in die 2. Bundesliga waren die Handballerinnen von Vater Jahn erneut erfolgreich. 2020 wurde die Mannschaft Oberliga-Meister und HVN-Pokalsieger. Damit setzte die Abteilung ihre lange Erfolgsgeschichte fort.

Die 2020er-Jahre: Internationale Erfolge und Auszeichnung für die Playing Ducks

In den 2020er-Jahren feierten die Playing Ducks weitere große Erfolge. Der Peiner Verein führt in seiner Hall of Fame unter anderem Weltmeistertitel, eine Vize-Weltmeisterschaft in Rainbow Six Siege, zwei Deutsche Meisterschaften in Dota 2, 19 Teilnahmen an den ESL-Pro-Series-Playoffs und 34 NorthCon-Titel auf. Auch die Stadt Peine würdigte die Leistungen des Vereins und zeichnete die Playing Ducks bei der Peiner Sportlerehrung als Sportmannschaft des Jahres aus. Damit erreichte der Peiner E-Sport sowohl international als auch in seiner Heimatstadt besondere Anerkennung.

Minigolf, Schwimmen und weitere Vereine gehören ebenfalls dazu

Eine vollständige Geschichte des Peiner Sports endet allerdings nicht bei diesen Namen. Der Miniaturgolf-Club Peine brachte Aktive zu Deutschen Meisterschaften. Der Peiner Schwimmverein ist seit mehr als einem Jahrhundert im Wettkampfsport vertreten. Auch Vereine aus den Ortsteilen, darunter Arminia Vöhrum, Eintracht Essinghausen, TSV Eixe sowie Vereine aus Handorf, Dungelbeck und Woltorf, haben zahlreiche Meisterschaften und Aufstiege gefeiert. Bei vielen kleineren Sportarten sind historische Resultate wesentlich schlechter digital dokumentiert als etwa im Fußball. Gerade alte Vereinschroniken und Verbandsarchive könnten deshalb noch weitere Peiner Meister und Spitzensportler enthalten.

Peines Spielmannszüge sind ein besonderes Kapitel

Bei der Recherche fällt insbesondere die ungewöhnlich erfolgreiche Spielmannszugtradition der Stadt auf. Mindestens drei Deutsche Meistertitel lassen sich mit Peiner Formationen verbinden:

  • 1980: Spielmanns- und Hörnerzug TSV Bildung Peine, Deutscher Meister
  • 1993: Jugendzug TSV Bildung Peine, Deutscher Meister
  • 2013: Spielmannszug MTV Stederdorf, Deutscher Meister

Dazu kommen die überregionalen Wertungserfolge des MTV Vater Jahn und die zahlreichen weiteren Peiner Musikgemeinschaften. Die Spielmannszüge lediglich als musikalische Begleitung des Freischießens zu betrachten, würde ihrer Wettbewerbsgeschichte daher nicht gerecht.

Eine Stadt, völlig unterschiedliche Erfolgsgeschichten

Die Frage nach dem erfolgreichsten Verein Peines lässt sich deshalb nicht allein anhand einer Tabelle beantworten. Der VfB Peine erreichte 1957 die Aufstiegsrunde zur damals höchsten deutschen Fußballklasse, gewann den Niedersachsenpokal und wurde später dreimal Niedersachsenmeister. Der MTV Vater Jahn brachte seine Handballerinnen bis in die 2. Bundesliga, stellte einen Deutschen Mannschaftsmeister im Trampolinturnen und kann zusätzlich auf überregionale Erfolge seines Spielmannszuges zurückblicken. Der TSV Bildung kann zwei Deutsche Meistertitel seiner Spielleute vorweisen, der MTV Stederdorf brachte ebenfalls einen Deutschen Meister im Bereich Spielmannsmusik hervor. Peiner Karate erreichte die deutsche Spitze, während die Playing Ducks den Namen Peine schließlich auf die internationale E-Sport-Bühne trugen.

Was als Schützen-, Turn- und Bürgervereinsgeschichte begann, reicht heute bis zum digitalen Wettkampfsport. Mehr als vier Jahrhunderte nach den frühesten Peiner Vereinstraditionen zeigt sich damit vor allem eines: Die Sport- und Vereinsgeschichte der Stadt ist erheblich erfolgreicher und vielfältiger, als es ein Blick allein auf die heutigen Fußballtabellen vermuten lässt.