
Die Volksbank BRAWO steht vor einem tiefgreifenden Umbau. Nach hohen Wertberichtigungen auf Kredite, Beteiligungen, Wertpapiere und Immobilien weist die Bank für 2025 ein vorläufiges Ergebnis von 608,1 Millionen Euro unter null aus. Besonders betroffen sind Geschäftsfelder außerhalb des klassischen Bankgeschäfts. Nun sollen Beteiligungen und Immobilien verkauft und die Unternehmensgruppe deutlich einfacher aufgestellt werden.
Das Problem liegt vor allem außerhalb des klassischen Bankgeschäfts
Die Volksbank BRAWO ist längst nicht nur eine klassische Genossenschaftsbank. Über die BRAWO GROUP wurde in den vergangenen Jahren ein weit verzweigtes Unternehmensnetzwerk aufgebaut. Dazu gehören Immobilien, Unternehmensbeteiligungen, Gastronomie, Fitness, Energieprojekte und weitere Geschäftsfelder.
Genau dort liegt nach Angaben der BRAWO ein wesentlicher Teil der aktuellen Belastungen. Nach einer umfassenden Neubewertung von Krediten, Wertpapieren, Beteiligungen und Immobilien ergibt sich für das Geschäftsjahr 2025 ein vorläufiges Ergebnis von 608,1 Millionen Euro unter null.
Besonders bemerkenswert ist die Verteilung. Nach Angaben der BRAWO entfallen 96 Prozent der Wertberichtigungen auf die sogenannten bankfernen Geschäftsfelder. Rund vier Fünftel des gesamten Wertberichtigungsbedarfs betreffen den Immobilienbereich.
Beteiligungen wurden teilweise mit neuen Krediten gestützt
Auch das Beteiligungsgeschäft entwickelte sich offenbar nicht wie ursprünglich erwartet. Vorstandssprecher Lars Berkefeld erklärte bei der Vorstellung der neuen Strategie, viele Beteiligungen hätten nicht die erwarteten Erträge gebracht. Zahlreiche Beteiligungen seien stattdessen mit neuen Kreditlinien gestützt worden.
Welche Unternehmen solche Kreditlinien erhalten haben und um welche Summen es dabei jeweils geht, wurde öffentlich bislang nicht vollständig aufgeschlüsselt. Das ist wichtig, denn eine öffentlich bekannte Beteiligungsliste zeigt deshalb nicht das gesamte wirtschaftliche Engagement der Volksbank BRAWO.
60 Beteiligungsnehmer und rund 400 Millionen Euro Beteiligungsvolumen
Die BRAWO GROUP nennt für den Bereich Corporate Investments aktuell 60 Beteiligungsnehmer und ein Beteiligungsvolumen von rund 400 Millionen Euro. Dabei bedeutet eine Beteiligung nicht zwangsläufig, dass ein Unternehmen vollständig der Volksbank gehört. Die BRAWO beschreibt ihr Beteiligungsgeschäft selbst sehr breit. Dazu gehören Fremdkapital, Mezzanine Kapital, Venture Capital, stille Beteiligungen, offene Beteiligungen, Mehrheitsbeteiligungen und vollständige Unternehmensübernahmen.
Eine hundertprozentig vollständige öffentliche Liste aller Unternehmen, bei denen die BRAWO als Eigentümer, Investor, Beteiligter oder Kreditgeber engagiert ist, lässt sich deshalb aus öffentlich verfügbaren Informationen nicht erstellen.
Welche Unternehmen tauchten im BRAWO Portfolio auf?
Eine offizielle Portfolioübersicht aus dem Jahr 2025 zeigt, wie breit das Beteiligungsgeschäft aufgestellt war. Dort wurden unter anderem Unternehmen und Marken aus Gastronomie, Technologie, Medien, Handel, Industrie und Freizeit aufgeführt.
Dazu gehörten beispielsweise Wolters, BG Gastro, ÜBERLAND, Frida am See, HAVN, Glashaus, Fitnessland, Radio38, JITpay, SYNAOS, BITMOTEC, IDENTYTEC, FLEXBIO Technologie, HORANDO, EQOLOT, BRAWO Sportainment und die Braunschweiger Industrieholding sowie weitere Unternehmen.
Wichtig: Die Nennung in einer Portfolioübersicht aus dem Jahr 2025 bedeutet nicht automatisch, dass die Volksbank BRAWO im September 2026 noch in unveränderter Form an jedem dieser Unternehmen beteiligt ist. Ebenso wenig bedeutet sie, dass jedes dieser Unternehmen zum Verkauf steht. Die Liste zeigt vielmehr, wie weit das Beteiligungsgeschäft der BRAWO reichte.
Der Verkauf von Beteiligungen hat begonnen
Dass die angekündigte Neuausrichtung bereits umgesetzt wird, zeigt der Fitnessbereich. Die BRAWO hat den Verkauf ihrer Beteiligungen an 24 Fitnessland Studios und drei Hygia Studios bekanntgegeben. Die Fitnessland Standorte sollen von all inclusive Fitness übernommen werden, die Hygia Studios von VITA Deutschland.
Die Transaktionen stehen noch unter dem Vorbehalt der erforderlichen kartellrechtlichen Freigaben. Über die Kaufpreise wurde Stillschweigen vereinbart.
Auch in der Gastronomie gab es bereits Veränderungen
Die BRAWO hatte ihr Gastronomiegeschäft zuvor deutlich ausgebaut. Mehrere Restaurants wurden unter dem Dach der BG Gastro Holding gebündelt. Dazu gehörten unter anderem das ÜBERLAND in Braunschweig sowie 6 Sinne, HAVN, Glashaus, Frida am See und Strandhaus Celle.
Im August 2026 wurde bekannt, dass sich die BRAWO wieder von Teilen des Gastronomiegeschäfts trennt. Drei Betriebe gingen an den früheren Eigentümer zurück. Bei weiteren Betrieben war die zukünftige Struktur zunächst nicht abschließend geklärt. Auch hier zeigt sich der neue Kurs der Unternehmensgruppe. Geschäftsfelder außerhalb des eigentlichen Bankgeschäfts werden überprüft und teilweise wieder abgegeben.
Besonders hohe Belastungen im Immobiliengeschäft
Der größte Teil der Wertberichtigungen entfällt nach Angaben der BRAWO auf Immobilien. Das Immobiliengeschäft der Gruppe ist umfangreich. In offiziellen Unterlagen wurden unter anderem BRAWO Arkaden Wolfsburg, BRAWO Carree Salzgitter, BRAWO Center Gifhorn, BRAWO Schloss Carree Braunschweig, BraWoPark, BraWoPark Shopping Center und BRAWO City sowie weitere Immobilien und Projektgesellschaften aufgeführt.
Nach Angaben der Bank sollen zunächst 15 Immobilien beziehungsweise Immobilienprojekte am Markt angeboten werden. Welche konkreten Objekte dazugehören, wurde bislang nicht vollständig veröffentlicht. Deshalb wäre es derzeit nicht seriös, einzelne BRAWO Immobilien ohne entsprechende Bestätigung als Verkaufskandidaten zu bezeichnen.
Auch Corporate Investments und Green Energy werden umgebaut
Die Neuausrichtung beschränkt sich nicht auf Immobilien. Die drei Geschäftsfelder Real Estate, Corporate Investments und Green Energy sollen restrukturiert werden. Gleichzeitig soll die Komplexität der gesamten Gruppe reduziert werden.
Die neue strategische Ausrichtung fasst die BRAWO selbst mit den Worten zusammen: „Mehr Bank. Mehr Region. Weniger Komplexität.“ Damit verabschiedet sich die Unternehmensgruppe zumindest teilweise von der bisherigen Strategie, weit über das klassische Bankgeschäft hinaus zu investieren.
Die genossenschaftliche Sicherungseinrichtung greift ein
Um die Auswirkungen der Wertberichtigungen abzufedern, werden zunächst 136 Millionen Euro aus dem Fonds für allgemeine Bankrisiken herangezogen. Zusätzlich hat die Sicherungseinrichtung des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken Garantien in Höhe von 473 Millionen Euro zugesagt. Darüber hinaus ist eine Eigenkapitalmaßnahme von bis zu 250 Millionen Euro vorgesehen.
Diese Beträge dürfen allerdings nicht einfach zusammengerechnet und als Verlust bezeichnet werden. Garantien, Eigenkapitalmaßnahmen, aufgelöste Reserven und Wertberichtigungen sind bilanziell unterschiedliche Instrumente und Positionen.
Was bedeutet das für Kunden der Volksbank?
Die aktuellen Zahlen bedeuten nicht, dass die Volksbank BRAWO ihren normalen Geschäftsbetrieb einstellt. Die Bank betont, weiterhin vollständig handlungsfähig zu sein. Das klassische Bankgeschäft soll künftig sogar wieder wesentlich stärker im Mittelpunkt stehen.
Für Mitglieder gibt es allerdings eine unmittelbare Konsequenz. Für das Geschäftsjahr 2025 soll keine Dividende ausgeschüttet werden.
Die entscheidende Frage: Was wird noch verkauft?
Der Umbau dürfte mit dem Verkauf der Fitnessstudios und den Veränderungen im Gastronomiebereich nicht abgeschlossen sein. Die BRAWO hat angekündigt, ihr Beteiligungsportfolio und ihren Immobilienbestand zu reduzieren. Gleichzeitig sollen Corporate Investments, Real Estate und Green Energy restrukturiert werden.
Welche Unternehmen als Nächstes betroffen sein könnten, ist bislang nicht öffentlich vollständig bekannt. Auch bei den angekündigten 15 Immobilienverkäufen fehlen bislang die Namen sämtlicher betroffener Objekte.
Ein Firmengeflecht, das sich nicht vollständig von außen durchleuchten lässt
Eine weitere Frage bleibt deshalb offen: Wie groß ist das wirtschaftliche Netzwerk der Volksbank BRAWO tatsächlich?
Öffentlich sichtbare Tochtergesellschaften und Unternehmensbeteiligungen lassen sich vergleichsweise gut nachvollziehen. Schwieriger wird es bei Minderheitsbeteiligungen, stillen Beteiligungen, Mezzanine Finanzierungen und Kreditbeziehungen. Gerade die Aussage, dass zahlreiche Beteiligungen durch neue Kreditlinien gestützt worden seien, macht diesen Punkt relevant.
Ohne eine Offenlegung durch die Bank lässt sich öffentlich nicht feststellen, welche Unternehmen solche Finanzierungen erhalten haben und welches finanzielle Engagement jeweils dahintersteht.
Fest steht: Die Volksbank BRAWO hat über Jahre ein außergewöhnlich umfangreiches Netzwerk aus Bankgeschäft, Immobilien und Unternehmensbeteiligungen aufgebaut. Nach den hohen Wertberichtigungen beginnt nun der Rückbau. Fitnessbeteiligungen werden verkauft, Teile des Gastronomiegeschäfts wurden abgegeben, Immobilien sollen folgen und weitere Beteiligungen werden überprüft.
Welche Teile des bisherigen BRAWO Portfolios am Ende bestehen bleiben, dürfte eine der zentralen Fragen der kommenden Monate werden.